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Theorie

Grau ist aller Theorie

Achtung: Nur für die ganz Motivierten:

Berg über Kopf ist ein durchdachtes Konzept. Dahinter stehen diverse philosophische Überlegungen und psychologische Studien. Wer dazu eine Frage hat, wird auf Expedition sicher Gelegenheit haben, sie zu stellen. Ich bin jederzeit bereit, die einzelnen Standpunkt zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Hier erst mal ein paar grundlegende Gedanken:

Hannah Arendt hat hierbei einen zentralen Einfluss auf Berg über Kopfs Arbeit. In ihrem Hauptwerk Vita Activa bearbeitet sie die Frage, was wir tun, wenn wir tätig sind, beziehungsweise was wir tun müssten, um tätig zu werden und sieht dies als Voraussetzung, Verantwortung für uns zu übernehmen. Erst freies Handeln ermögliche „politisches / öffentliches Handeln“ und unterscheide den „freien Menschen vom Sklaven“.

 

Es ist dieses „freie“ Handeln, um das es geht. Erst wenn äußere Einflüsse weitestgehend wegfallen, weil es nicht mehr wichtig ist, was die Kollegen denken, was zur nächsten Gehaltserhöhung führt, oder was soziale Konventionen fordern, dann werden Handlungen zu freien Handlungen. Die Expeditionen finden weit abseits von gesellschaftlicher Normalität statt und entziehen sich allein schon durch ihren Ort ihres Einflusses.

 

Normalität ist hierbei negativ konnotiert. Die Reduktion der Randbereiche auf ein allgemeinverträgliches Maß nivelliert Leistungen und Gedanken nach unten. Normal ist, was bei einer Gaußschen Glockenkurve vor der Mitte nicht um mehr als eine Standardabweichung abweicht. Damit beschreibt man 68 % der Menschen. Damit fällt ein Drittel der Menschen vom Tisch. Zu den Randbereichen zählen Menschen mit Behinderung häufig ebenso, wie kluge Führungskräfte und Coaches. Für Berg über Kopf bieten die Ränder der Glockenkurve viel Raum für Lernerfahrungen. Auf Expedition erleben Führungskräfte und Coaches die eigene hohe Wertigkeit ihrer Taten. Durch den inklusiven Charakter der Expeditionen erleben sich die Gemeinschaft gegenseitig in einer von Menschlichkeit geprägten Atmosphäre. Ausgelöst durch das Zusammenbringen der Randbereiche des menschlichen Normals.

 

Einen weiteren Einfluss auf die Arbeit von Berg über Kopf hat Heinz von Foerster und der von ihm geprägte Konstruktivismus. Von ihm abgeleitet ist auch der Satz „Führung ist implizit“. Heinz von Foerster spricht in Fraktale einer Ethik darüber, dass Ethik immer implizit ist und durch ihre Anwendung zur Moral und damit zur Vorschrift wird.

 

Nach Ermessen Berg über Kopfs, ist die Parallele dazu bei Führung folgende: Führung ist implizit. Führung, die explizit wird, wird zum Befehl. Dann sage ich: „Du sollt, oder du musst folgendes tun, sonst!“ Das funktioniert überall dort gut, wo es ein „sonst!“ gibt, also eine Konsequenz. Beim Militär zum Beispiel. „Du musst diesen Feind angreifen, sonst desertierst du und wirst bestraft. Weniger dramatisch „du sollst diese Arbeit erledigen, sonst wirst du nicht bezahlt!“ Führung aber ist mehr. Führung ist, wenn Mitarbeiter/Folgende freiwillig tun, was sie sollen und das werden sie erst tun, wenn sie für sich erkannt haben, dass es für sie von Vorteil ist, oder eines ihrer Bedürfnisse befriedigt.

 

Auch Nicholas Nassim Taleb beeinflusste die Gedanken hinter den Expeditionen. In seinen Werken Antifragilität und Der Schwarze Schwan wiederholt er mehrmals die Notwenigkeit, bei Entscheidungen selber betroffen zu sein. Stellvertreterentscheidungen oder solche, bei denen ausschließlich andere betroffen sind, führen seltener zu Erfolg und enden häufiger im Desaster. Es scheint eine (unbewusste) Komponente zu geben, die Intuition, die ihre Weisheit erst preisgibt, wenn man selbst betroffen ist. Am Beispiel des Bergführers wird es schnell deutlich. Ein Bergführer, der seine Schützlinge einen anderen Weg gehen lässt, als er selbst, wird weniger genau darauf achten, einen sicheren Weg für sie zu wählen und sein Unbewusstes wird ihm weniger Signale geben, wenn sich die Gruppe einer Gefahrenstelle nähert, als wenn er sie direkt begleitet.

 

Es ist Intuition, die, wenn auch nicht leicht wissenschaftlich zu greifen, einen großen Einfluss auf das Verhalten hat. Intuition, vom lateinischen „intueri“ (hinschauen, innen schauen) verweist auf einen leiblich-sinnlichen „Ursprungszusammenhangs des Erlebens“. Je freier Handlungen ausgeführt werden, desto leichter fällt es dem Subjekt auf diese leisen Sinneseindrücke zu hören. Man braucht nur Kinder beim Spielen beobachten, um zu sehen, wie stark die intuitive Lenkkraft ist, wenn sie nicht durch kognitive Dissonanzen in Form von Zweifel, Schüchternheit und Erwartungsdruck beeinträchtigt wird. Erwachsene sprechen bei dem angestrebten Geisteszustand lieber von „Flow“, einem Begriff, der auf den Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi zurückgeht und einen Zustand der Leichtgänigkeit verbunden mit hoher Konzentration beschreibt.

 

Führungskräfte und Coaches treffen auf Expedition (und bei inklusiver Organisationsentwicklung) Entscheidungen, die sie unmittelbar selbst betreffen und deren Auswirkungen sie spüren. Die subjektive und objektive Umgebung, seien es Wasser, Höhe, Anstrengung oder Ängste, knüpft alle Entscheidungen an unweigerliche Konsequenzen für jeden, der dort ist und fast jede Reaktion auf Führungsverhalten zeigt sich unmittelbar. Menschen mit geistiger Behinderung beispielsweise geben meist unmittelbare und direkte Rückmeldung. Sie mögen etwas oder sie mögen es nicht, sie machen etwas oder sie machen es nicht. Bei Berg über Kopf Aktivitäten sind Führungskräfte und Coaches beteiligt. Stellvertreterentscheidungen sind dadurch ausgeschlossen und Führungskräfte werden sich der höheren Qualität ihrer Entscheidungen bewusst. Da die Expeditionen und auch die inklusive Organisationsentwicklung für Führungskräfte, Coaches und Teams einen Erlebnisrahmen öffnen, den sie so zu hoher Wahrscheinlichkeit noch nie erlebt haben, üben sie dabei, auf ihre Intuition zu hören.

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